Junge Union diskutiert über Sterbebegleitung und Sterbehilfe

Die Junge Union (JU) im Bezirk Aachen hat sich im Rahmen einer gut besuchten Podiumsdiskussion mit der Würde des Menschen am Lebensende beschäftigt. Die jungen Christdemokraten haben damit ein Thema aufgegriffen, das aktueller kaum sein kann, da derzeit auch der Deutsche Bundestag über eine Neureglung diskutiert und diese im November beschließen wird. 

Dass sich auch schon junge Menschen zwischen 14 und 35 Jahren mit dem Thema Sterben auseinandersetzen sei nicht selbstverständlich. „In Anbetracht der aktuellen Debatte ist es uns wichtig, dass sich jeder dazu eine Meinung bilden kann, die nicht nur auf einem Bauchgefühl basiert“, erklärt der JU-Bezirksvorsitzende Marco Johnen, der an diesem Tag auch durch die Diskussion führte.


Zur Einführung hielt der Dürener Bundestagsabgeordnete und Parlamentarische Staatssekretär Thomas Rachel ein Impulsreferat, in dem er Fragen aufwarf, die in Zusammenhang mit der Sterbehilfedebatte berücksichtigt werden müssten. Gleichzeitig begründete Rachel den rund 50 Gästen auch seine eigene Position: „Es gibt Lebensdramen, da bejahe ich es sehr, dass sich der Staat zurückhält. Hilfe beim Sterben und nicht Hilfe zum Sterben müssen daher im Fokus der Politik stehen“, so Rachel.


Im Anschluss daran diskutierten drei Experten auf dem Podium über das moralisch komplexe Thema und brachten viele neue Denkanstöße in die Debatte ein. Professor Ulrich Lüke, der den Lehrstuhl für Systematische Theologie an der RWTH Aachen leitet, war als Gegner einer Legalisierung von Sterbehilfe eingeladen worden. Seine These war, dass die Sterbehilfe vor allem ein lukratives Geschäftsmodell darstelle, bei dem Juristen und Mediziner gut verdienen könnten. Eine andere Sichtweise vertrat der Philosophieprofessor Wulf Kellerwessel, der sich eine liberalere Regelung unter gewissen Bedingungen vorstellen kann. „Es gibt gute Gründe für ein selbstbestimmtes Leben und Sterben ist ein Teil des Lebens“, sprach sich Kellerwessel für mehr Selbstbestimmung aus. Für die politische aber auch medizinische Perspektive auf das Thema nahm der Bundestagsabgeordnete Rudolf Henke an der Diskussion teil. Er ist stellvertretender Vorsitzender des Gesundheitsausschuss im Deutschen Bundestag, Vorsitzender der Ärztegewerkschaft Marburger Bund und Präsident der Ärztekammer Nordrhein. Henke warb leidenschaftlich für den Standpunkt, dass es sich für niemanden lohnen dürfe, Menschen zur Selbsttötung zu motivieren. Gleichzeitig argumentierte er gegen die Ansicht, dass Beihilfe zum Suizid eine ärztliche Aufgabe sei.


Trotz der teilweise sehr unterschiedlichen Positionen, war festzustellen, dass drei Aspekte für alle einen besonderen Stellenwert hatten: Jedem Menschen müsse die Lebenswürde auch in der letzten Lebensphase ermöglicht werden. Außerdem sei allen Beteiligten eine stärkere Rechtsicherheit zu wünschen und die geschäftlich organisierte Sterbehilfe, bei der wirtschaftlicher Profit im Vordergrund stehe, solle in Deutschland gesetzlich verboten sein.


Während der von Respekt und Sachlichkeit geprägten Diskussion gab es für die Gäste im Publikum die Möglichkeit, Anregungen und Fragen an die Experten zu richten oder von eigenen Erfahrungen zu berichten. Den Schlusspunkt der durchaus sehr spannenden Veranstaltung bildete eine Zusammenfassung durch die Vorsitzende des gastgebenden JU-Kreisverbandes Düren, Julia Dinn. Im Sinne aller wurde auf die obligatorischen Präsente für die Referenten verzichtet und stattdessen eine Spende an die örtliche Hospizbewegung gerichtet.

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