Schulentwicklungsgutachten fordert auch die Kreispolitik

(18.07.2011) „Demographie ist klar und zwingt zu Antworten". Mit diesem Zitat aus dem Schulentwicklungsplan eröffnete Karl Schavier, Vorsitzender der CDU - Kreistagsfraktion, ein gemeinsam von den Fraktionen der CDU und FDP im Dürener Kreistag durchgeführtes Schulpolitisches Fachgespräch.

(by pixelio)
(by pixelio)

Schulmodell und Schulkonsens

 

Der Schülerrückgang und das veränderte Elternwahlverhalten zwingen zu einer Veränderung der Schulstruktur. Am deutlichsten sichtbar ist das Problem bei den Hauptschulen. Sie leisten hervorragende Arbeit. Trotz der Riesenanstrengungen des Landes in der vergangenen Wahlperiode haben sie aber in vielen Gemeinden keine sichere Zukunft mehr.

 

Anpassungen der Schulstruktur sind nicht nur in Nordrhein.-Westfalen erforderlich. Auch alle anderen Bundesländer stehen vor dieser Aufgabe.

 

Die CDU stand als Oppositionspartei und Oppositionsfraktion in Nordrhein-Westfalen vor der Frage, ob sie an der notwendigen Fortgestaltung unseres Schulwesens konstruktiv mitarbeiten soll.

 

Nach dem CDU-Landesparteitag in Siegen vom 12. März dieses Jahres haben wir unsere Bereitschaft erklärt, Verantwortung zu übernehmen und die Zukunft unseres Schulwesens aktiv mitzugestalten. Wir haben die Landesregierung und die demokratischen Parteien und Fraktionen mehrfach zu Gesprächen eingeladen. Die Initiative war richtig. Wir möchten uns auf diesem Weg noch einmal herzlich bei allen in der Partei bedanken, die uns dazu ermuntert und uns unterstützt haben. Es geht nicht darum, dass eine politische Partei in der Schulpolitik den Sieg davon trägt. Schulpolitik ist gut, wenn sie die Schülerinnen und Schüler zu Gewinnern macht. Das vor dem Oberverwaltungsgericht gescheiterte Gemeinschaftsschul-Experiment hätte Schülerinnen und Schüler nicht zu Gewinnern gemacht.

 

In den vergangenen Wochen hat es zahlreichen Gespräche gegeben. Sie waren vertrauensvoll und konstruktiv. Im Verlauf der Gespräche konnten viele ideologische Vorurteile über Bord geworfen werden, die in der Vergangenheit die schulpolitische Debatte schwer belastet und blockiert hatten. So ist eine Verständigung auf schulpolitische Eckpunkte gelungen, die wir für richtungsweisend auch über Nordrhein-Westfalen hinaus halten.

 

Unser Ziel in den Gesprächen war nicht der kleinste gemeinsame Nenner. Unser Ziel war die größtmögliche Sicherheit für die vernünftige und pragmatische Fortentwicklung unseres bewährten vielfältigen Schulwesens unter den Bedingungen des demographischen Wandels. Wir möchten den beteiligten Vertretern der Landesregierung, der SPD und der Grünen ausdrücklich danken für ihre Kompromissbereitschaft und ihren konstruktiven Beitrag zum Gelingen.

 

 

  • Wir haben uns auf die gemeinsame Anerkennung und dauerhafte Sicherung eines vielfältigen, gegliederten Schulwesens in Nordrhein-Westfalen verständigt. Wir werden eine entsprechende Änderung der Landesverfassung gemeinsam auf den Weg bringen.
  • Als wichtigen Beitrag zur Lösung des demografischen Problems haben wir uns darauf verständigt, mit der Sekundarschule eine neue und zukunftssichere Schulform der Sekundarstufe I einzuführen. Sie wird die Aufrechterhaltung ortsnaher Schulangebote erleichtern.
  • Wir haben uns darauf verständigt, dass die Sekundarschule keine Oberstufe hat. Sie wird Schülerinnen und Schüler gleichwertig sowohl auf die berufliche Ausbildung wie auch auf den Besuch einer Oberstufe vorbereiten.
  • Wir haben uns darauf verständigt, dass die neu zu entwickelnden Lehrpläne für die Sekundarschule sich an den Lehrplänen der Realschule und der Gesamtschule orientieren. Eine Verpflichtung auf die Stundentafel und das Unterrichtsvolumen der Gymnasien in den Jahrgangsstufen 5 und 6 würde viele Kinder überfordern und demotivieren.
  • Wir haben uns darauf verständigt, dass in den Jahrgangsstufen 5 und 6 der Sekundarschule gemeinschaftlich und differenzierend gelernt wird. Durch Binnendifferenzierung wird gewährleistet, dass keine Schülerin und kein Schüler über- oder unterfordert wird. Eine zweite Fremdsprache in Klasse 6 wird nicht verpflichtend, sondern als Wahlmöglichkeit angeboten.
  • Wir haben uns darauf verständigt, dass alle Sekundarschulen ausstattungsmäßig gleich behandelt werden, -- unabhängig davon, ob sie ab Klasse 7 integrativ, teilintegrativ oder kooperativ (mit getrennten Bildungsgängen) arbeiten.

 

Mit der Umsetzung der schulpolitischen Eckpunkte wird die Stellung des Gymnasiums als unentbehrlicher Säule unseres Bildungswesens gestärkt. Die Realschulen bekommen eine klare Entwicklungsperspektive, die ihrer hervorragenden Leistung und Bedeutung entspricht: Sie werden selbstständig fortbestehen oder faktisch zum verlässlichen und bewährten Kern der anderen Säule unseres Schulwesens. Alle Schülerinnen und Schüler, die einen Hauptschulabschluss anstreben, haben die Gewähr, dass sie beim Besuch einer Sekundarschule von Beginn an spezifisch gefördert werden.

 

Wir sind sicher, dass wir mit unseren Vereinbarungen auch im Sinne des Parteitagsbeschlusses vom 12. März wichtige Leitplanken gesetzt haben für die Zukunft eines ortsnahen, vielfältigen und leistungsfähigen Bildungssystems.

Einer regen Debatte der beiliegenden Eckpunkte sehen wir mit Interesse entgegen.