CDU trauert um Wolfgang Vogt

Wolfgang Vogt +
Wolfgang Vogt +

Die CDU trauert um Wolfgang Vogt, der in der Nacht auf Dienstag kurz nach Vollendung seines 77. Lebensjahres seiner schweren Krankheit erlegen ist.

 

Wolfgang Vogt gehörte zu jener Aufbaugeneration von Politikern, die mit ihrem politischen Engagement unser Land und seine Demokratie nachhaltig geprägt haben. In herausragenden Positionen wirkte er über mehrere Jahrzehnte: Er war Bundestagsabgeordneter (1969-1998), Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung (1982-1991), Landesvorsitzender der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (1975-1995), Vorsitzender des CDU-Stadtverbandes Düren (1972-1990) und Mitglied des CDU-Landes- und Kreisvorstandes. Er gehörte dem Rat der Stadt Düren (1972-1989) an und war Oberbürgermeister bzw. Bürgermeister (1972-1983) dieser Stadt. Die Gewerkschaft Bau-Steine-Erden zählte ihn zu seinen Mitgliedern. Er war Mitbegrün-der des Ringes Christlich-Demokratischer Studenten, Vizepräsident der Arbeitsgemeinschaft der Verbraucherverbände und Mitglied der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung.

 

Am 1. Dezember 1929 in Schirgiswalde in Sachsen geboren, trat er 1946 nach dem 2. Weltkrieg der CDU bei. Bereits mit 16 Jahren engagierte er sich im Schülerrat und bei der CDU im Kreis Bautzen. Seine Tätigkeit machte ihn zum Widersacher der SED. Nach dem Abitur in Bautzen floh er 1949 nach West-Berlin und studierte anschließend in Köln Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. Als Diplom-Volkswirt wurde er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Soziologischen Seminar der Universität Köln und 1959 Chefredakteur der Zeitung der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB). 1969 wurde Düren seine neue Heimat.

 

In seinem politischen Grundverständnis war Wolfgang Vogt stark von der katholischen Soziallehre beeinflusst. Seine ganze Aufmerksamkeit galt den sozialen Herausforderungen, besonders den parlamentarischen Sozialgesetzgebungen, die den Erhalt und die Fortentwicklung des Sozialstaates zum Ziel hatte. Auf europäischer Ebene vertrat er die Bundesrepublik Deutschland im Rat der Arbeits- und Sozialminister. Die Europäische Sozialcharta wurde maßgeblich von ihm konzipiert. An der Entscheidung, die Prinzipien des Sozialstaates auf das Beitrittsgebiet des wiedervereinigten Deutschlands aus-zuweiten, hatte er großen Anteil.

 

Seine politische Überzeugung spiegelte sich auch in der Erklärung der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft Deutschlands (CDA) "Für eine offene und solidarische Gesellschaft" mit dem - wie er ihn nannte - "schönsten" Programmsatz wider: "Der Mensch ist wichtiger als die Sache". Noch Anfang diesen Jahres hatte Vogt zusammen mit Karl-Albert Eßer unter dieser Leitidee ein Memorandum ver-fasst: Zwölf Gebote als christlich-soziale Orientierung und Herausforderung.

Wolfgang Vogt genoss über alle Partei- und Fraktionsgrenzen hinweg großes Ansehen. Die CDU Düren machte ihn zu ihrem Ehrenvorsitzenden. Die Stadt Düren gab ihm 2004 den Ehrenring. Kirche, Staat und Partei verliehen ihm hohe Auszeichnungen. In Anwesenheit von Norbert Blüm, vielen Weggefähr-ten und Gästen feierte Wolfgang Vogt im Mai d.J. in Düren seine 60-jährige CDU-Mitgliedschaft. Zweifellos gehörte Vogt zu jenen Männern und Frauen der ersten Stunde, die in einer Zeit tiefster Not entschlossen den Blick nach vorne richteten und zur Gründung einer neuen, demokratischen Partei aufriefen.

 

Die CDU und die Stadt Düren verlieren mit Wolfgang Vogt einen aufrichtigen und beharrlichen Sozial-politiker, der sich weit über die Grenzen unserer Stadt verdient gemacht hat.


Bernd Ramakers

 


Die feierlichen Exequien finden am Dienstag, dem 19.12.2006 um 11.00 Uhr in der St. Anna-Kirche in Düren statt.